19 Oktober 2026

Der Weg in Farbe


Iago Eireos Mural Camiño en cor

Das Wandgemälde Camiño en cor (2025) – galicisch der Weg in Farbe – ist eine sehr junge Arbeit des aus Lugo stammenden Künstlers Iago Eireos, dessen Werk sich durch die Verbindung unterschiedlicher bildnerischer Ausdrucksformen auszeichnet. Als Maler, Fotograf und Konzeptkünstler bewegt er sich auf der Schnittstelle zwischen Abbildung und Abstraktion, zwischen sichtbarer Wirklichkeit und ihrer subjektiven Wahrnehmung. Im Zentrum seiner Kunst steht die Frage, wie Bilder entstehen, sich verändern und in unserer Wahrnehmung weiterleben. Seine Arbeiten sind weniger als unmittelbare Wiedergabe der Wirklichkeit zu verstehen, sondern vielmehr als Versuche, deren verborgene Schichten freizulegen. Ihn interessiert besonders das Verhältnis von Licht und Schatten, von Präsenz und Abwesenheit sowie von Sichtbarem und Unsichtbarem. Auf diese Weise entsteht eine Bildwelt, in der fotografische Wirklichkeit und malerische Freiheit ineinander übergehen. Seine Bilder erscheinen stellenweise wie Spuren einer Erinnerung: Konturen verschwimmen, Formen lösen sich auf, und unterschiedliche Bildebenen überlagern sich. Was zunächst abstrakt wirkt, enthält zugleich Fragmente einer konkreten Welt. Schatten nehmen in seinem Werk eine besondere Stellung ein. Sie sind nicht bloß das Ergebnis eines Lichteinfalls, sondern werden zu eigenständigen bildnerischen Elementen, die auf Vergänglichkeit, Veränderung und die Grenzen unserer Wahrnehmung verweisen. Auch in seiner Auseinandersetzung mit Landschaft und Identität bleibt er nicht auf die Darstellung äußerer Erscheinungen beschränkt. Raum wird nicht als unveränderliche Kulisse verstanden, sondern als etwas, das durch Erinnerung, persönliche Erfahrung und menschliche Eingriffe geprägt ist. Landschaft erscheint als ein Zusammenspiel aus materieller Wirklichkeit und subjektiver Deutung. So entsteht eine Kunst, die weniger auf spektakuläre Effekte als auf die Intensität des Wahrnehmens setzt. Eireos macht sichtbar, dass Wirklichkeit niemals nur aus dem besteht, was sich eindeutig erkennen lässt.

22 Januar 2026

Stadt der Skulpturen


Ich lerne eine Stadt am besten zu Fuß kennen. Wer durch eine Stadt wandert, da wo sie ihm bekannt ist, oder er sie erst kennenlernen will, geht mit ihr eine sinnliche und emotionale Beziehung ein, macht sich Gedanken über sie und sich in ihr. Die Erfahrung urbanen Gehens fordert den ganzen Menschen, beeinflusst Sinne, Gefühl und Gedanken, fördert sie in Abhängigkeit der Umstände, die städtisches Leben ausmachen. Die Stadt muss Sinn machen, weil sonst die Beziehung stirbt.
Es ist schön, wieder in Oviedo zu sein. Dreimal war ich in der Stadt, jedes Mal wird sie mir vertrauter und jedes Mal präsentiert sie sich mir, dem Reisenden, neu. Aber es braucht jedes Mal einen Plan, für sehr geruhsame Leute, für Spaziergänger und Flaneure, die Zeit zu verschwenden haben. Ich habe mir ein Plan für Oviedo entworfen, einen Spaziergang durch eine Stadt auf einem Pfad, gesäumt von Skulpturen, die Oviedo in einem neuen Licht leuchten lassen. Mit viel Inspirierendem. Vielleicht ist Oviedo die Stadt mit den meisten Skulpturen auf der Welt. Zumindest kenne ich keine, in der ich mehr gesehen habe. Die Idee für den Skulpturenpfad entstand Ende der 1990er Jahre, um Kunst im öffentlichen Raum zugänglich zu machen. Die Skulpturen sind in verschiedenen Stilrichtungen gehalten, obwohl die figurative Tendenz deutlich überwiegt. Meistens stellen sie Persönlichkeiten oder wichtige Ereignisse für Oviedo dar. Asturien, seine Bräuche und sein traditionelles Handwerk verewigen die vielen Skulpturen, die Oviedo schmücken.